Marcus im Interview beim MDR zu Katastrophenwarn-Apps

Wenn die Digitalisierung Leben rettet – Warn-Apps – Chancen und Verbesserungspotenzial

Die Digitalisierung kann sogar Leben retten. Deutlich wird das in Zeiten wie diesen, oder besser gesagt bei Wetterlagen, wie jener der vergangenen Woche. Während Sturm Friederike in ganz Deutschland wütete, durfte ich selbst erfahren, wie gut es ist, rechtzeitig über nahende Unwetter oder andere Gefahren informiert zu sein und welche bedeutende Rolle die digitalen Medien, ganz speziell Warn-Apps, dabei spielen können.

Denn das altgediente Signalhorn wird in den meisten Ortschaften und Städten schon längst nicht mehr betrieben.  Abgesehen davon, das wohl kaum einer noch wüsste, wie er die verschiedenen Signale deuten soll. Wie sich also sonst informieren? Permanent das Radio oder den Fernseher laufen lassen?

Unser digitales Zeitalter bietet uns zum Glück weitaus bessere Möglichkeiten, als das altgediente Signalhorn, das in den meisten Ortschaften und Städten ohnehin längst nicht mehr betrieben wird.

Die Information über das Internet oder aber über Apps, die das Smartphone zur Gefahrenwarnstelle werden lassen, ist inzwischen eine wirkliche Alternative zu Radio und TV. Immerhin besitzen inzwischen 78 Prozent der Deutschen ein Smartphone und können damit sicher vor nahenden Katastrophen gewarnt werden.

FLYACTS hat die Apps NINA, KATWARN und Biwapp einem kleinen Test unterzogen.

Im Rahmen des MDR-Interviews zum Beitrag Wo sind die Sirenen geblieben?” habe ich mich außerdem mit den folgenden Fragen zum Thema Warnungen via Smartphone beschäftigt:

 

Was sollte eine Warn-App leisten können?

Welche Vor- und Nachteile bietet eine Warn-App?

Kann eine Fehlmeldung, wie die auf Hawaii auch bei uns passieren?

Welche Internet gestützten Alternativen gibt es?

Wie warnt man angemessen und kann sicher gehen, dass die Nachricht den Nutzer erreicht? Was sind die Vor- und Nachteile der SMS-Alarmierung?

 

Was sollte eine Warn-App leisten können?

Selbstverständlich sollte die Warnung zuverlässig funktionieren. Auch eine einfache Nutzbarkeit muss gewährleistet sein.

Gerade bei solchen Anwendungen, die auch in Eile und ohne großes Nachdenken gut nutzbar sein sollen, empfiehlt sich eine gut durchdachte Konzeption.

Sie sollte neben den wesentlichen Funktionen auch die bedenken, die zunächst womöglich nur wie eine Spielerei wirken: Die Möglichkeit, sich mit dem eigenen Netzwerk auszutauschen, z.B. um Hilfe zu organisieren oder sich über das Wohlergehen von Familie und Freunden zu erkundigen, kann gerade in Gefahrensituationen für Ruhe, Ordnung und ganz wichtig: Hilfe sorgen.

 Eine Vernetzung von Warn-Apps mit den Sozialen Netzwerken wäre deshalb eine wirklich sinnvolle Entwicklung. Ein eigenes soziales Netzwerk muss dabei nicht etabliert werden. Die bereits vorhandenen sind leistungsstark und haben sich schon mehrfach bewährt.

 

Welche Vor- und Nachteile bietet eine Warn-App?

Die Vorteile sind die, mit denen die gesamte Digitalisierung unserer Lebenswelt glänzt: Schnelligkeit, gute Erreichbarkeit für alle, eine einfache Nutzbarkeit. Aber es sind durchaus Nachteile erkennbar: Wenn die Menschen sich auf eine Anwendung verlassen und diese nicht funktioniert, kann es sogar gefährlich werden. Nutzerfreundlichkeit und technische Zuverlässigkeit sollten deshalb oberste Priorität besitzen.

Die Usability muss für alle gewährleistet sein. Man sollte durchaus auch daran denken, entsprechende Serverkapazitäten vorzuhalten. Denn wenn alle Nutzer zeitgleich auf die App zugreifen, muss sie diesem Ansturm nicht sicher stand halten können.

Auch weniger digital affine Menschen sollten bei der Konzeption bedacht werden, wie etwa die Rentnerin, die nicht genauso leicht mit der neuen Technologie umzugehen weiß, wie ein Digital Native.

 

Kann eine Fehlmeldung, wie die auf Hawaii, auch bei uns passieren?

Theoretisch kann es überall passieren, denn wir sind alle nur Menschen. Jedoch wird ein Fehlalarm nicht einfach so ausgelöst. Bis es soweit kommt, müssen viele Zuständige einer klar geregelten Informationskette gefolgt sein. Die Sicherheitsvorkehrungen für solche Tätigkeiten sind enorm.

Viel wahrscheinlicher ist, dass die Software, die wir entwickeln, nur so schlau sein, wie wir es ihr erlauben. Ist etwas falsch programmiert, kommt es selbstverständlich auch zu Fehlern. Das oberste Augenmerk sollte deshalb gerade bei solch lebensentscheidenden Apps auf technisch saubere und zuverlässige Lösungen gelegt werden.

 

Welche Alternativen gibt es für Warn-Apps, die Internet gestützt funktionieren?

Beim letzten Hochwasser im Jahr 2013 entstanden sinnvolle Webprojekte, wie etwa die Google Karte „Hochwasserkarte Dresden„. Auf Facebook wurden zudem unzählige Seiten und Gruppen ins Leben gerufen, in denen sich Hilfsbedürftige und Helfer organisierten. Jeder Kanal, ob Soziales Netzwerk, Kartensoftware oder mobile Anwendung verfügt dabei über seine ganz eigenen Vorzüge. Eine Kombination aus allen dürfte ein wirklich leistungsfähige Anwendung hervorbringen. Um eine solche App nicht zu überlasten, empfehlen sich Anbindungen an die entsprechenden Dienste und nicht eine direkte Einbindung in die App. So lässt sich auch gewährleisten, dass nicht zu viele Funktionen die Schnelligkeit oder Funktionstüchtigkeit der eigentlich wichtigen Grundfunktionen ausbremsen.

Aus meiner Sicht gibt es keine adäquaten Alternativen zur digitalen Kommunikation im Gefahrenfall. Wenn die bestehenden Warn-Apps alle zur Verfügung stehenden sinnvollen digitalen Möglichkeiten nutzen, wird aus einer guten eine hervorragende Anwendung.  

Auf Sirenensignale muss deshalb dennoch nicht verzichtet werden, da sie günstig und flächendeckend alle Menschen erreichen, auch wenn diese keine digitalen Möglichkeiten zur Information besitzen oder wenn Internet oder Telefonnetz ausfallen. Gerade die Kombination aus mehreren Kanälen garantiert eine umfassende Information aller Bürger.

 

Wie warnt man angemessen und kann sicher gehen, dass die Nachricht den Nutzer erreicht? Was sind die Vor- und Nachteile der SMS-Alarmierung?

Eine Push-Nachricht ist zu wenig, ein enorm lauter schriller Alarm in einigen Fällen zu viel. Die Möglichkeit, dass der Nutzer je nach Themengebiet / Dringlichkeit und Lebensbedrohlichkeit einen individuellen Alarm einstellen kann, wie etwa bei der NINA App und BIWAPP ist deshalb eine wirklich nützliche Funktion. Hier wünschen wir uns, dass auch die anderen App-Anbieter nachziehen, u dem Nutzer nicht nur eine Information, sondern auch eine für ihn hilfreiche Information anbieten.

Trotz der kleinen Unzulänglichkeiten der hier vorgestellten Apps, würde ich jedem  Smartphonebesitzer empfehlen, sich eine der zahlreichen Warn-Apps herunter zu laden. Es ist kostenlos und schadet ganz sicher nicht, informiert zu sein.

Im Informationszeitalter, das wird auch in solchen Gefahrensituationen deutsch, ist Information unser höchstes Gut und ist so leicht zugänglich, dass sich nur Vorteile daraus ergeben können.

 

Ich werde für das Interview vorbereitet.

Ich werde für das Interview vorbereitet.

Im Gespräch mit der Redakteurin.

Im Gespräch mit der Redakteurin.

Während des Interviews mit dem MDR

Während des Interviews mit dem MDR

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